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Früherkennung: Diskussion um PSA-Test

 

Stellungnahme der DGU und der Steuerungsgruppe der Leitlinie "PSA-Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnostik" zur Debatte um den PSA-Test

Ist der PSA-Test eine sinnvolle Maßnahme, oder richtet er möglicherweise sogar Schäden an?

Diese Frage wurde auf dem 55. Deutschen Urologenkongress in Hamburg kontrovers diskutiert: Klaus Koch, Co-Autor des Buchs "Mythos Krebsvorsorge“ und einer der schärfsten Kritiker der Prostatakrebsfrüherkennung durch den PSA-Test, kritisierte, der Test führe zu "Überdiagnosen". Er finde bei einer möglicherweise erheblichen Anzahl von Männern Prostatatumoren, die ohne Früherkennung nie aufgefallen wären, weil sie nur sehr langsam wachsen. Diese unnötigen Diagnosen machten den Männern nicht nur Angst, sondern zögen oft auch mit Komplikationen behaftete Therapien wie Operationen nach sich, von denen die Männer aber keinen Nutzen haben. Besonders besorgniserregend sei, dass die Männer von ihrem Arzt nicht über dieses Risiko unterrichtet würden, so Koch.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) sieht darin "Stimmungsmache" gegen den PSA-Test und nimmt zu den Kritikpunkten Stellung.

DRU reicht nicht aus

Die bisherige Früherkennung durch die digital-rektale Untersuchung (DRU) ist unzureichend. Die Bestimmung des PSA-Werts sei, so DGU-Vorstandsmitglied Prof. Paolo Fornara in einer Mitteilung der Gesellschaft, derzeit die einzige wirkliche Früherkennungsmaßnahme, da durch die Tastuntersuchung Tumoren oft übersehen würden. Die Tatsache, dass auch irrelevante Karzinome, die nicht den Tod des Patienten verursachen werden, entdeckt würden, müsse man in Kauf nehmen. Das Wissen um einen Tumor im Frühstadium sei zwar belastend, aber die Diagnose "unheilbar, weil zu spät erkannt", sei schließlich um ein Vielfaches belastender für den Betroffenen.

Deshalb fand ein Paradigmenwechsel von der DRU zum PSA statt. Bei einer jährlichen Neuerkrankungsrate an Prostatakrebs von rund 31.000 darf Früherkennung nicht bagatellisiert werden, betont die DGU.

PSA-Wert richtig interpretieren

Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht automatisch Krebs. Daher sind Folgeuntersuchungen bei einem erhöhten PSA-Spiegel notwendig, bevor eine endgültige Diagnose gestellt werden kann. Über mögliche Folgeuntersuchungen (z.B. Biopsie) bei positivem Befund muss der Urologe den Patienten vor dem PSA-Test aufklären.

Diagnose heißt nicht automatisch Therapie. Bei entsprechender Information des Patienten und genauen Kontrollen ist eine abwartende Strategie beim Prostatakarzinom in vielen Fällen eine reelle Alternative. In der Leitlinie "PSA-gesteuerte Früherkennung des Prostatakarzinoms" ist der Umgang mit den verschiedenen Möglichkeiten evidenzbasiert definiert. Der suggerierte Automatismus "erhöhter PSA-Wert - Biopsie - Radikaloperation" wird in der Leitlinie ausgeschlossen.

Die Leitlinie "PSA-Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnostik" empfiehlt auch im Bereich der Früherkennung ein individuelles Vorgehen für jeden Patienten. Sie ist eine der wenigen S3 Leitlinien, erreicht also die höchstmögliche Evidenz.

PSA-Test senkt Mortalität

Derzeit laufen Studien, die die Auswirkung des Screenings mit dem PSA-Test auf die Mortalität an Prostatakarzinomen untersuchen: die "European Randomized Screening for Prostate Cancer"-Studie (ERSPC), mit 205.000 Patienten und die US-Studie "Prostate, Lung, Colorcctal, and Ovarian Cancer Screening Trial" (PLCO-Studie) mit 148.000 Patienten. Beide werden jedoch erst zwischen 2005 und 2008 eindeutige Ergebnisse darüber liefern, ob der PSA-Test die Zahl der Prostatakrebstoten verringern kann. Fornara erklärte, dass in den USA nach Einführung des PSA-Tests die durch Prostatakrebs verursachte Sterblichkeit stark zurückgegangen sei. Und jedes einzelne gerettete Menschenleben sei eine Legitimation für den PSA-Test, dessen Nutzen die Nachteile bei weitem überwiege.

Die DGU setzt sich daher - solange es keine ernst zu nehmende Alternative gibt - für den PSA-Test ein. Die Gesellschaft möchte die Risiken nicht kategorisch abstreiten, befürchtet aber, dass sie in der jetzigen Diskussion überproportional hervorgehoben werden.



(c) Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

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